Liebe Leserin, lieber Leser,

was bedeutet es eigentlich im Flow zu sein und was kannst du dafür tun, um regelmäßig in den Flow zu kommen? 

Der Begriff Flow wurde von dem ungarischen Glücksforscher und Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi geprägt. Es lässt sich beobachten, dass Menschen, die sich im Flow befinden, im Zustand vollster und intensivster Konzentration sind. Die Handlung und das Bewusstsein werden eins, das Ego und das Zeitempfinden lösen sich auf und die Aktivität wird als in sich belohnend empfunden. Dabei steigen Motivation und Produktivität um bis zu 500%, sodass Lernen und Erinnern um ein Vielfaches leichter fällt, sowie auch die Kreativität und Innovation wachsen.

Flow ist kein anhaltender Zustand – er läuft in den meisten Fällen in 4 Phasen ab, die sich aufteilen in Kampf, Loslassen, Flow und Entspannung. Wir sprechen auch von einem Flow-Kreislauf. 

In der ersten Phase, der Kampfphase arbeiten wir an der Lösung eines Problems. Dies kann teilweise als überfordernd und anstrengend wahrgenommen werden: wir schütten Stresshormone aus, erklären uns aber dennoch bereit, dranzubleiben. Unser Tipp an dieser Stelle ist, die schwierigsten Aufgaben z.B. morgens zu erledigen und immer wieder bewusste Pausen einzulegen.

In der folgenden Phase des Loslassens geht es darum, den Fokus vom Problem zu lösen und die Problemlösung an dein Unterbewusstsein zu übergeben. Dazu ist es hilfreich sich über 10-20 Minuten komplett abzulenken, idealerweise mit Bewegung zum Abbauen der Stresshormone. Tätigkeiten, die sich hierfür eignen, sind beispielsweise Gärtnern, Malen, Meditieren, kalt Duschen und Erden.

Nach der Phase des Loslassens kann sich Flow einstellen – du bist voll und ganz mit deiner Aufgabe verbunden, die Zeit löst sich auf und du erlebst diese Phase als in sich belohnend und mühelos. 

Wenn du ab einem gewissen Zeitpunkt wahrnimmst, dass dieser Zustand nachlässt, dann gönn dir eine Entspannungsphase. Es kann vorkommen, dass du dich in dieser Phase leer fühlst – das ist normal. Deshalb ist es wichtig, den Fokus hier auf die Erholung und Entspannung zu legen.

Abends bietet sich ein Ritual an, um dir selbst jeden Tag zu vergeben. Es ist erstaunlich, wie hart und unnachsichtig wir manchmal mit uns selbst sein können. Vergib dir, dass du vielleicht nicht alles geschafft hast, was du wolltest. Vergib dir, dass du einen Fehler gemacht hast. Anstatt in der Energie der ‚Schuld‘ hängen zu bleiben, frag dich lieber: Wie kann ich es morgen oder beim nächsten Mal anders machen? So gibst du deinem Geist ein hochschwingendes Bild und kannst dir selbst versichern: Ich habe mein Bestes gegeben. 

Wie können wir Flow-Phasen in unserem Leben begünstigen, wo wir laut einer Studie des Gallup Instituts bis zu 36 Mal die Stunde E-Mails checken und im Schnitt unser Arbeitstag 56 mal unterbrochen wird?

Als Grundlage für hohe Wirksamkeit gilt die Schlafqualität. Sorge also für genügend Schlaf – effektive Maßnahmen dazu findest du unter anderem in diesen Video.

Des weiteren gilt es, die kognitive Last zu reduzieren. Die Vermeidung ablenkender Störfaktoren hilft uns dabei, eine Aufgabe nach der anderen zu erfüllen. Denn Multitasking führt zu einem mentalen Overload im Wachbewusstsein.

Hinzu kommen offene Loops. Offene Loops beschreiben offene Prozesse und Vorhaben, die in deinem Unterbewusstsein abgespeichert sind. Du kreierst neue Loops mit Gedanken wie: Dieses E-Mail muss ich noch bearbeiten und an Frau Sowieso weiterleiten. 

So hast du bald eine riesige Loop-Last im Unterbewusstsein, die ständig Energie zieht – und selbst abends, wenn du im Bett liegst lassen dir die Loops keine Ruhe. Im ersten Schritt kann es helfen, die Loops zu erkennen und aufzuschreiben. 

Achte im zweiten Schritt darauf, welche Loops du wirklich eröffnen möchtest – kommen z.B. zum neuen Jahr wieder einmal gute Vorhaben hinzu? Fein – denk aber dran, dass diese Loops in deinem Unterbewusstsein arbeiten. Irgendwann fühlst du dich dann schlecht, weil deine Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt werden. Deshalb ist es auch tagtäglich von Bedeutung Nein zu sagen, wann immer es ein Nein verlangt. 

Im optimalen Fall fragst du dich: Was ist jetzt wirklich dran? Worauf habe ich jetzt Lust? 

Erledige eine Aufgabe nach der anderenlege klare Zeiteinheiten fest und definiere ein glasklares Anliegen. Schicke das Handy auf Pause und gestalte dein Setting so, dass du möglichst wenig unterbrochen wirst. Konzentriere dich, so gut es dir gelingt, auf diesen Prozess. Sei vollkommen hier im gegenwärtigen Moment – vermeide es, dich selbst abzulenken. Und selbst wenn du 10 Minuten untätig bist – widerstehe der Versuchung, E-Mails zu checken oder in dein Handy zu schauen. Das kann anfangs hart sein – aber dein Gehirn und dein Wohlbefinden werden es dir langfristig danken. 

Ich wünsche dir viel Gesundheit.

Herzliche Grüße,

Dein Karl Hartner